Performance in der Lounge des CCC [31C3]

Die Keimzelle war mit einer Rede über City Hacking mittels Raumnahme und Urban Gardening beim 31. Chaos Communication Congress in Hamburg dabei.

Klar wurde: Haecksen, Hacker und StadtgärtnerInnen einen durchaus dieselben Ziele!

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Bunker-Aufbau oder doch Alternativen?

Mit der gemeinsamen Stellung von der Keimzelle, dem Gartendeck und Kebap kam der Stein ins Rollen: Statt den Ausbau des Flagbunkers an der Feldstraße wie geplant durchzuziehen, sehen sich die Planer plötzlich einer Reihe kritischer Fragen ausgesetzt. Zunächst schien das mediale Showdown, das sich das „Planungsbüro Bunker“ zur Akzeptanzbeschaffung ausgedacht hatten, wie am Schnürchen zu laufen. Von vielen, die wenig wussten, gab es Applaus für die Idee, auf dem Dach des St. Pauli-Bunkers fünf weitere Stockwerke aufzutürmen und mit einem Gründach zu ummänteln, das den klingenden Namen „Hilldegarden“ bekam. Doch braucht es an dieser Stelle wirklich noch mehr kommerziell nutzbare Räume — Musikklubs und Filmstudios, einen 1100 qm großen „Kultursaal“ und ein Hotel für 100 Gäste, das natürlich nicht „Hotel“, sondern Künstlergästehaus heißt, damit es etwas kultureller und weniger kommerziell klingt? Wer will hier eine weitere Elbphilharmonie-Architektur?

Denkmal oder Eventisierung?

Fest steht, dass eine 20 Meter hohe Aufbaute Hamburgs bekanntesten Luftschutzbunker als Kriegsmahnmal vergessen macht. Jedenfalls setzen sich die aktuellen Bebauungspläne nicht mit dem ehemaligen, von Zwangsarbeiter*innen errichteten Kriegsbauwerk als einer markanten Gedenkstätte der Stadtgeschichte auseinander. Eher im Gegenteil. Die geplante Umgestaltung würde die Geschichtsvergessenheit durch die Rundum-Rampe und eine oberflächliche Begrünung des Gebäudes mit Sicherheit verstärken.

Akzeptanzbeschaffung

Wie also beschaffen sich die Planer die notwendige Akzeptanz für ihr Vorhaben, dass sie seit über einem Jahr planen und in Politik und Verwaltung unter Ausschluss einer öffentlichen Debatte positionieren? Wie wollen sie die Bewohner der benachbarten Viertel überzeugen? Diesen kniffligen, aber bezahlten Job hat die Crew übernommen, die sich „Hilldegarden“ nennt und teilweise selber aus Anwohnern rekrutiert. Deren Botschaft: Von Anwohnern für Anwohner. Der Sprecher dieser Gruppe ist freilich Mathias Müller-Using – Geschäftsführer der Agentur Interpol Studios. Die wiederum entwickelt und lanciert das Bunker-Projekt in ihrem auf Architektur spezialisierten Geschäftsbereich MetaPol. Bei MetaPol arbeiten nun die beiden Architekten des Bunkerprojekts, die ihrerseits zur „Anwohnergruppe“ Hilldegarden gehören, die wiederum einen Design-Absolventen der Hamburger Kunsthochschule namens Tobias Boeing als Koordinatoren engagiert haben – auch Anwohner – versteht sich. Ihre Idee: Das Ganze unter dem Decknamen „Stadtgarten als Anwohner- und Beteiligungsprojekt“ lancieren — unter dem Motto: ‘Wir setzen endlich eure Wünsche um.’ Wohlwissend, dass einige Viertel-Initiativen sich seit Jahren für das Zustandekommen eines Stadtteilgartens in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bunker engagieren: Nämlich auf den Außenflächen der inzwischen sanierten und neu vermieteten Rindermarkthalle; außerdem hatten sich die Initiativen für eine demokratische Beteiligung am stadtpolitischen Entscheidungsprozess eingesetzt, wie die Halle in Zukunft zum Wohle aller am besten genutzt werden soll. Das Ergebnis dieser öffentlichen langjährigen Auseinandersetzung ist bekannt: Statt des gewünschten GrünAreals für die Anwohner und statt eines Beteiligungsverfahrens für die Planung der Alten Rindermarkthalle, das übliche Geschäft: Parkplätze und eine Top-down-Entscheidung für ein überdimensioniertes Einkaufszentrum.

Bunker-Ufo

Kurz nach der Eröffnung der Supermärkte in der Rindermarkthalle taucht also dann plötzlich am 16. Oktober 2014 dieses sagenhafte Bunker-Ufo auf — zusammen mit schönen Masterplänen für einen „Stadtgarten“ und ein „Beteiligungsprojekt“. Ein medial inszeniertes Miniatur-Modell zeigt eine kolossale Aufbaute, hübsch grün durch allerlei „Urban Gardening“. Urban Gardening — eigentlich ein Urbanismus von unten — wünschen sich inzwischen wohl auch Stadtplaner und Architekten — von oben — für den urbanen Raum der Zukunft. Indes bleiben sämtliche Aussagen zu den für die öffentliche Nutzung gedachten Grünflächen im Ungefähren. Mal ist von Urban Gardening die Rede, mal von einem Park zur Erholung, mal geht es um einen 5800 Quadratmeter großen Stadtpark (Hamburger Abendblatt „Dach des Feldstraßen-Bunkers wird zum Stadtgarten“, 17.10.2014), mal um 1400 qm „Dachgarten“ und dann wieder um 1800 qm Fläche für „immergrüne Pflanzen“.

Große Skepsis

Der kleine Schönheitsfehler an diesem Ufo-Masterplan: Als die Hilldegarden-Truppe ihr Überraschungsei nach monatelanger Geheimhaltung auspackt und dem Stadtteil zu „Beteiligung“ präsentiert, schlägt ihnen zur eigenen Überraschung reichlich Skepsis entgegen. Einer der Architekten rechtfertigt den mehrgeschossigen Aufbau mit der skurrilen Begründung, dass die teure Konstruktion einer öffentlichen Zuwegung zum Dach mit den vermieteten, neu zu bauenden Räumen gegenfinanziert werden müsste. Als ob die lukrativen Dachetagen mit einer Gesamtfläche von ca 9000 qm nur gebaut würde, damit das Karoviertel endlich seinen Stadtteilgarten bekommt.

Machtspiele der Stadtpolitik

Doch die Gartenthematik ist nur ein Element in dieser Enthüllungsgeschichte und zwar, wie sich zeigt, das nebensächlichste. In der Süddeutschen Zeitung wurde die Keimzelle mit den Worten zitiert, die Hamburger Politik habe den existierenden Urban Gardening Initiativen bislang die notwendige Unterstützung verweigert („Da kann ja jeder gärtnern“, SZ vom 17.11.2014). Dem ist an dieser Stelle und angesichts der aktuellen Ereignisse hinzufügen, dass es bei der geplanten Bunkerbebauung um weitreichendere Machtspiele der Stadtpolitik geht. So ist der eigentliche Skandal gar nicht einmal die skrupellose Instrumentalisierung des Anwohner-Engagements seitens der Projektentwickler. Was die Geschichte auflädt, ist die Tatsache, dass hinter der schönen Fassade von Architekturmodellen und Beteiligungsfloskeln das weniger schmucke Profitinteresse eines Großinvestors steckt.

Der 6 Millionen Deal

Denn nach und nach kommt heraus: Im Hintergrund agiert das Kapital. Man erfährt, dass es einen privaten Eigentümer gibt, der den markanten St. Pauli-Bunker von der Stadt gepachtet hat. Dieser Deal wurde schon vor 20 Jahren besiegelt. Damals entschied sich der Hamburger Senat dafür, Herrn Dr. Thomas Matzen eine großzügige Gewinnmarge einzuräumen. Für lediglich 6 Millionen D-Mark erhielt der Investor mit einem Pachtvertrag über 60 Jahren das Recht, den Kriegsbunker zu nutzen. Die kommerzielle Vermietung der ausgebauten Räumlichkeiten haben ihm längst ein zigfache Rendite eingebracht.

Kulturbehörde verschenkt noch mehr Geld

Stellt sich die Frage, ob solche Entscheidungen, städtisches Eigentum für billig abzugeben, im Interesse der Allgemeinheit sein können? Hoffen wir, dass die Stadt Hamburg sich in Zukunft anders entscheiden wird. Doch vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Kulturbehörde den bestehenden Erbpachtvertrag auf insgesamt 99 Jahre verlängern will – und das für Herrn Matzen völlig entgeltfrei und möglichst schnell. Warum nur auf 2,56 Millionen Entgeld verzichten – eine Summe, die ohnehin lächerlich gering ist, angesichts der anzunehmenden Einnahmen durch die neu gewonnene Mietfläche auf dem Bunker? Simpel gerechnet: Einer Investition von 25 Millionen Euro für 9500 qm zusätzliche Flächen stehen bis zum Jahr 2092 Mieteinnahmen von 50 Mio. Euro gegenüber. Hinzukommen die zusätzlichen Gewinne aus der weiteren Vermietung des Bestandes. Gibt es irgendeinen einigermaßen plausiblen Grund, einem Investor Geld zu schenken?

Und was sagt die Kulturbehörde? Die Begründung ist ebenso absurd wie bemerkenswert. Weil der Investor die Absicht habe, sein Eigentum mit öffentlich zugänglichen Grünflächen auszustatten — oder zu dekorieren, honoriert die Stadt diese geschickte Vermarktungsstrategie großzügig. (siehe „Spinat für die Stadt“, DIE ZEIT vom 27.11.2014)

Das Spiel geht nicht auf

Doch es könnte sein, dass die so großartig eingefädelte PR-Kampagne des Großinvestors und seiner Planer am Ende nicht aufgeht. Denn inzwischen wird selbst in der SPD Widerspruch laut. Der Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf ließ über das Hamburger Abendblatt wissen („Bunker-Umbau: Streit um Millionen-Deal von Kulturbehörde“, 28.11.2014), dass man wenig von dem Zeitdruck halte, mit der diese Causa noch rechtzeitig vor der Wahl durchgedrückt werden solle. Außerdem seien mehr Informationen zu den Details erforderlich. — Tatsächlich geht aus den verfügbaren Bauplänen nicht im Ansatz die genaue Größe und Nutzungsmöglichkeit der „Gründach“-Flächen hervor, die die Stadt Hamburg mit 2,56 Millionen subventionieren will. Inzwischen regen sich auch in der Kulturbehörde Zweifel: Die Senatsdruckssache werde noch einmal geprüft, ist zu erfahren (St. Pauli Blog „Der Deal hinter dem Bunker-Dachgarten“, 2.12.14). Gut so.

Oder doch einen Stadtteilgarten fördern?

Immerhin lässt die jüngste Auseinandersetzung um St.Paulis Bunker eine bemerkenswerte Schlußfolgerung zu: Obgleich aus unfreiwilligen Anlass, signalisiert die Stadt mit ihrem Vorgehen dennoch die Bereitschaft, die Realisierung eines öffentlich genutzten Stadtteilgartens im Karoviertel endlich politisch und finanziell fördern zu wollen. Und damit es nicht heißt, die Anwohner-Initiativen wäre immer nur gegen etwas, kann „Keimzelle goes GrünAreal“ hier gerne zwei Alternativen vorschlagen:

Alternative 1 „Ganz oben“:
Ohne mehrgeschossiger Aufbaute und mit Unterstützung der offenbar gründachförderwilligen Kulturbehörde entsteht auf dem Flachdach des Bunkers ein öffentlicher Stadtteilgarten. Der Bunker bleibt dadurch als Kriegsmahnmal in seiner ursprünglichen Form und Ansicht erhalten. Als Teil des Stadtteilgartens wird eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bunkers entwickelt und installiert. Im Stadtteilgarten findet darüber hinaus ein langfristiger Beteiligungsprozess für die Planung der endgültigen Nutzung der ehemaligen Rindermarkthalle statt.

Alternative 2 „Von unten“:
Es entsteht ein öffentlicher Stadtteilgarten zwischen dem Bunker und der Rindermarkthalle. Etwa durch eine kleine Verlegung des Recyclinghofs, von seiner derzeitigen unverschatteten, süd-seitigen Fläche hinter dem Eingang zur U-Bahn Feldstraße auf das momentan leerstehende, nord-seitige Grundstück vor dem Bunker (vormals Tankstelle). Dann gäbe es einen Stadtteilgarten, der Bunker behielte seine Würde und das alles bliebe ohne weitere Eventisierung/Gentrifizierung des Viertels.

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Gemeinsam Stellung beziehen

Liebe Freundinnen und Freunde des lokalen Stadgärtnerns – wahrscheinlich haben der eine oder die andere durch die Medien mitbekommen, dass der Bunker an der Feldstraße in direkter Nachbarschaft zum Karoviertel um die Hälfte seiner Höhe aufgestockt werden soll. Der Neubau wird überzogen mit einem „Stadtgarten“, der ein „Anwohnerprojekt“ sein soll.

Zu diesen Plänen und vor allem ihrer Selbstdarstellung als urban gardening und als Anwohnerprojekt haben die langjährigen Stadtgärten Gartendeck, KEBAP und Keimzelle nun eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht:

Eine Stellungnahme von Keimzelle, KEBAP, Gartendeck

Am 16. Oktober wurde zur Vorstellung eines grünen Stadtteilprojektes in die Hanseplatte geladen: “Ein großer Stadtgarten mitten in St. Pauli”, unterzeichnet mit “Hilldegarden”. Hinter der Initiative verbirgt sich die Agentur Interpol, die den bestehenden Bunker in ein mehrstöckiges Großprojekt, samt imposanter Dachbegrünung, erweitern möchte. Die suggerierte Nähe zu den bestehenden Gemeinschaftsgärten nehmen Keimzelle, KEBAP und Gartendeck zum Anlass einer Stellungnahme.

Die Keimzelle fragt sich: Kann das sein?
Die Keimzelle fordert seit 2011 ein „GrünAreal“ auf dem Gelände der Rindermarkthalle, in unmittelbarer Sichtweite des nun vorgestellten Großprojektes. Die jahrelangen Bemühungen wurden vom Bezirk mit dem knappen Kommentar abgewatscht: nicht genehmigungsfähig und ansonsten Schweigen.

Und dann plötzlich aus dem Nichts, wie ein Ufo, ist alles da. Weit oben. Nichts von unten. Nun fehlt nur noch, dass die fertigen Pläne vom Volk abgesegnet werden. Ab jetzt dürfen wir mitmachen und die gewünschte Bespielung übernehmen. Ist das Anwohnerbeteiligung? Ist das urban gardening für Alle? Der Bezirk findet diese neoliberale Privatinvestorenlösung prima. Denn städtische Flächen zur Verfügung zu stellen, etwa für das seit Jahren geforderte GrünAreal auf dem Gelände der Rindermarkthalle, sieht sich die Politik nicht in der Lage.

KEBAP schaut hinter die Kulissen
Das Kulturenergiebunker-Projekt KEBAP entwickelt seit 2011 mit den Anwohnern eine kulturelle und energetisch innovative Neunutzung des Bunkers in Altona Nord und kämpft auf behördlichen und politischen Ebenen um Anerkennung und Unterstützung. Auch ein Dachgarten für Anwohner_innen gehört zu dem Projekt, das von Anfang an seine Pläne zur Diskussion stellte und das Gärtnern auf ebener Erde am Bunker schon jetzt betreibt.

Werbeagenten, Großpächter und Architekt haben geschützt vor der störenden Öffentlichkeit heimlich einen Masterplan samt Initiative entworfen und dann die Marketingmaschine gefüttert. Das Projekt “Hilldegarden” betreibt eine Entsolidarisierung mit bestehenden Initiativen – statt Gesprächen gab es Geheimhaltung, statt Austausch wird nur versucht auf die wertvolle Akzeptanz der bestehenden Anwohner*innen-Projekte und den Trend des urban gardening aufzuspringen. KEBAP spricht sich gegen Versuche der Vereinnahmung aus und fordert mehr Transparenz.

Das Gartendeck hört die Politik schon applaudieren
Das Gartendeck St. Pauli hat eine lange leerstehende Brache in einen lebendigen Gemeinschaftsgarten verwandelt. Seit nunmehr vier Jahren wird in der Großen Freiheit praktiziert, was 2016 auf dem Bunker neu entstehen soll. Das Projekt setzt sich zur Zeit vor dem Hintergrund einer “nachhaltigen Verdichtung” für die dauerhafte Nutzung des Geländes im Herzen von St. Pauli ein.

Wir stehen den vorgestellten Bauplänen für den Bunkerbau kritisch gegenüber, weil wir befürchten, dass sich das Großprojekt negativ auf die Unterstützung, vor allem seitens der Politik, für ehrenamtlich und gemeinnützig agierende Initiativen aus dem Stadtteil auswirken könnte. Wir wollen nicht mit der Aussage konfrontiert werden: “Auf dem Bunker entsteht ein spannendes Projekt – beteiligt Euch doch da!” Eine privatwirtschaftliche Initiative darf keine Alternative für offene, nicht kommerzielle Freiräume sein.

Summa Summarum:
Alle hier beschriebenen Urban Gardening Projekte zeichnen sich durch Teilhabe, freiwilliges Engagement und den Aspekt der Öffentlichkeit aus. Gärtnern bedeutet für uns, keine fertige Vision zu enthüllen; die Gärten dienen vielmehr als Experimentierfelder für sozialen, kulturellen und nachbarschaftlichen Austausch.
Zwar ist ein Ausbau von Grünflächen auf St. Pauli vor dem Hintergrund einer seit Jahren anhaltenden Nahverdichtung zu begrüßen, jedoch verurteilen wir die marketingtechnisch gewitzte Präsentation des Großvorhabens, das sich in unseren Augen mit fremden Federn schmückt. Die vorgestellten Bunker-Pläne sollten daher in erster Linie als Bau- und nicht als Freiraumprojekt bewertet werden.

Die geplante Bunkergroßbaustelle beschert uns eine grüne Aufwertungsspirale. Gerade deswegen wäre eine stadtpolitische Unterstützung der Anwohnerinitiativen nötig.

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St. Pauli Stadtgarten von unten: ein Platz des solidarischen Gemüse

(… sicherlich wird in Kürze noch das eine oder andere Wort zu verlieren sein über das jüngst lancierte Greenwashing für den Bunker an der Feldstraße … aber erst einmal wollen wir zu unseren eigentlichen Plänen einladen…) 

An alle Gemüse-Liebhaber_innen, Stadtgarten-Interessierten, Garten oder Parzellenbesitzer und -Besetzer_innen:

Kommt vorbei am Donnerstag den 30.Oktober 2014 um 19 Uhr

Es steht nämlich die Idee im Raum, die Fläche der jetzigen „Keimzelle“ im Karoviertel nicht einfach aufzugeben, sondern einen Platz der Solidarität und der Nachhaltigkeit und der städtischen Lebensmittelversorgung zu schaffen, auf dem unterschiedliche Gruppen & Einzelpersonen zusammenkommen können, um Lebensmittel-Überschüsse und Info´s auszutauschen, veganes Essen zu kochen und Gemüse anzubauen.

Ein Selbstversorgertausch mit wöchentlichem Stand am Samstag, parallel zum Flohmarkt ist im Gespräch. Hier sollen Projekte und Einzelpersonen von ihnen selbst im Überfluss erzeugte Produkte gegen Spende oder Sachwerte abgeben bzw. eintauschen können. Damit der Platz ein Freiraum und Ort zum Hingehen und Rumsitzen bleibt, sollen die Hochbeete von vielen Leuten gepflegt und begärtnert werden.

Wir erhoffen uns eine starke Vernetzung aller aktiven Gärtner_innen und eine Stärkung der bestehenden Strukturen und der Motivation durch die geleistete Umverteilung und selbstorganisierte Nahversorgung und das gemeinsame Essen und Gärtnern.

Dafür treffen wir uns:  Do. 30.10. 2014, 19 Uhr, Treffpunkt Keimzelle, Karoviertel

Lasst uns gemeinsam überlegen: wie der Platz gestaltet werden soll – was kann sonst noch stattfinden kann (z.B. Vokü)
 – wer Lust hat, den Garten weiter zu betreuen
 – was passieren müsste, damit der Ort als solidarischer Platz weiter gerne besucht und genutzt wird
 – welche Regeln wir dem SV-Tauschmarkt geben wollen (z.B. nur Direkterzeugnisse, natürlich keine Händler)
 – welche Struktur wir der Organisation geben wollen bzw. welche Einbindung in bestehende Strukturen.

Welche Ideen und Fragen hast Du zu dem Thema?
 
Bitte kommt zahlreich damit wir alle unsere Wünsche, Erfahrungen und Vorstellungen für das nächste Jahr zusammentragen und gemeinsam an der Verwirklichung arbeiten

Bis bald, 

Eure Leute vom Waldgarten, veganer Küche, Hof vorm Deich und Keimzelle

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Solidarische Schanze

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Es war Schanzenfest – und alle waren da. Auch das Solidarische Gemüse – das Urbane-Garten-Netzwerk – hat mit einem gemeinsamen Stand dazu beigetragen, dass beim diesjährigen „Refugee Welcome Schanzen Fest“ nicht nur die Menschen, sondern auch die sozialen und politischen Inhalte auf die Straße kamen. Neben Infos zu unseren Garten-Projekten und Klönschnack sorgten die beiden mobilen Küchenräder für eine gelungene Einheit von solidarischer Gemüsegarten Theorie und köstlicher Speisepraxis. Es gab lecker Futter gegen Spende. Wir freuen uns, dass diese Spenden einen ordentlichen Betrag ergaben, der an die Lampedusa-Gruppe geht. Zu selbsterwirtschaftetem Gemüse – die Inka-Gurke war die besondere Spezialität des Tages – geretteter Tomatenvielfalt und weißer Roter Beete wurde ausserdem das Manifest „Die Stadt ist unser Garten“ gelesen und diskutiert oder einfach die üppige Sonne genossen. Ein solches Schanzenfest wünschen wir uns jedes Jahr – gerne mit noch mehr Inhalt und klugen Gesprächen.  

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OZ IST TOT

 

Vor kurzer Zeit bemalte Josef einen unserer Gemüse-Kästen und schenkte mir eines seiner Bücher. Gestern traf ich ihn auf der Fußgänger-Brücke nahe der Keimzelle und wir guckten auf die Gleise der U-Bahn Station Feldstraße.
Josef hatte sein Fahrrad dabei, auf dem Gepäckträger eine leere Dose und eine Plastikflasche. Er nahm Dose und Flasche und warf sie demonstrativ auf das Metall-Gitter oberhalb der U-Bahnschienen. Ich fragte ihn, was die Aktion zu bedeuten habe, schließlich stehe knapp hinter ihm ein Mülleimer. Er antwortete mir, dass die Angestellten des HVV den Müll wegmachen müssten, es wäre schließlich ihr Job.

„Wenn sie bunte Bilder überstreichen, dann können sie auch den Müll wegmachen.“
Josef und ich standen schon oft auf der Brücke und jedesmal regte er sich über die
graue Wand an der linken Seite auf. „Da muss wieder was hingeschrieben werden. Mit Teleskopstock und Farbrolle oder mit Farbe gefülltem Feuerlöscher. Die HVV-Nazis streichen die bunten Bilder doch nur weg, um uns zu provozieren. Dabei waren die beiden gemalten Gesichter so schön.“ Er guckte mich ernst an. „Was für ein Mensch muss man sein, wenn man sowas macht, alles grau haben möchte? Das ist ein Grau wie im dritten Reich.“ Das Überstreichen der beiden letzten Graffiti-Bilder an der linken Wand war eine
erneute Bestätigung für Josef, der alle Angestellten des HVV ohne Ausnahme als
Sauber-Nazis bezeichnete. Während er sein Fahrrad neben mir schob und wir uns auf
die Keimzelle zubewegten, erzählte er mir von einem früheren Erlebnis. Er wurde auf
frischer Tat an den Gleisen von Mitarbeitern des HVV erwischt und bekam von einem Sicherheitsmann stolz zu hören, dass dessen Oma die Aufsicht in einem Konzentrationslager gehabt hätte. „So Menschen wie dich hätten wir damals vergast.“
Vielleicht war das mit einer der Gründe warum er, selbst während wir uns
unterhielten, ständig freie Flächen anvisierte und mit schwarzen Kringeln bemalte.
Er konnte gar nicht anders und es schien mir, als wenn das Bemalen von grauen
Flächen für ihn eine Pflicht, eine Tätigkeit war, die gemacht werden musste.

Gestern Abend gingen wir an der Karo-Ecke auseinander, Josef hatte noch was vor.
„Man darf nicht aufgeben. Abwarten und Tee trinken.“ sagte er,  gab mir die Hand,
stieg aufs Fahrrad und fuhr davon.

Es ist bitter, dass er gestorben ist.  Für mich war er mehr Aktivist denn „Graffiti-Künstler.“ Ich respektiere zutiefst seinen Kampf gegen die zunehmende Konformität und Glattheit in dieser Stadt. Seine Bilder gehören für mich nicht in Galerien oder hippe Wohnzimmer, sie gehören auf die Straße.

R.I.P. OZ
Ruhe in Frieden, Josef.

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„Hier ist ja noch gar nicht alles zubetoniert…“

… stellte eine späte Gästin nach Sonnenuntergang am Tag des Endes der Utopie fest. Ein anderer bemerkte: „Ihr macht doch nicht wirklich alles platt!?“

Zu schön war dieser letzte Spätsommertag in der Keimzelle. Zu wunderbar war das Konzert, zu lecker das Essen, zu wonnig der Abend bis spät in die Dunkelheit. Die Lob-und-Untergangs-Gesänge ernst und inspirierend. Der Auftritt des Minibaggers beeindruckend. Das Keimzellen-Banner wurde eingeholt. Doch konnten am Tag des Endes die Konsequenzen noch nicht wirken, die es hat, wenn eine Utopie als Zeichen der Negation realpolitischer Prozesse rückgebaut wird.

Jedoch – man sollte sich nicht täuschen lassen – der Rückbau in Raten nimmt seinen Lauf. Wie immer Donnerstags ab 17 Uhr und Sonntags ab 16 Uhr.

Viele werden sich also weiterhin fragen: Wie gehts weiter an der Ölmühle? (K)ein Garten? Wie, Wer und Warum?     (übrigens: für die Galerieansicht auf die Bilder klicken)

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Presse zum Ende der Utopie

Die taz Nord kündigte mit einem Interview unter dem Titel „Potenzial nicht genutzt“ das Ende der Utopie an. Das NDR Journal ließ die Keimzelle zu Wort kommen und zeigte neben einem enttäuschten Herrn Yilmaz in unfertigen Moscheeräumen die „Eröffnung der Rindermarkthalle„. Auch ein Online-Text-Beitrag des NDR war unter dem Titel „Ein neuer Anlauf für die Rindermarkthalle“ zu finden. Dort wurde die „Nahversorgung“ in Anführungsstriche gesetzt und es durfte Verwaltungschef Bezirksamt Mitte Andy Grote schon mal mit der Musikhall drohen, die auf jeden Fall kommen werde. Einen „Schlemmertempel“ nannte HH1 das neue Einkaufszentrum, sprach auch mit der Keimzelle und fragte sich am Ende des Beitrags, warum wohl drei Wachdienste die tolle Halle bewachen müssen. „Keimzelle weicht Rindermarkthalle“ titelt schließlich der St. Pauli Blog mit einem hübschen Baggerbild am zerstörten Hochbeet  der Keimzelle.

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Save the Date: Das Ende der Utopie kommt!

Liebe Freundinnen, Wegbegleiter, Aktivistinnen und Sympathisanten. Der Tag der Wahrheit kommt: Anlässlich der Eröffnung der Alten-Rindermarkthallen-Supermärkte stellt sich die Keimzelle die Frage: Was machen wir hier eigentlich? Die Keimzelle im Karoviertel wollte zu einem Planungsgarten für die Alte Rindermarkthalle werden. Sie sollte Kunst im öffentlichen Raum sein und den Anwohnerwillen in Kürbisform manifestieren. War alles umsonst?

Das Ende der Utopie
Donnerstag 18. September 2014
In der Keimzelle im Karoviertel
16:50 Uhr (Kein Einlass nach Beginn)

Wir bieten bis zum Sonnenuntergang:
Szenen eines Untergangs in Theorie und Praxis

mit:
dem berühmten Unser-Areal-Kaufhaus-Jingle – 10-Minuten-Lob-und-Untergangs-Gesängen von Anke Haarmann (Ein Werk am Ende), Anna-Lena Wenzel (Interventionen), Simon Pfeifer (Trockenbohrungen), Gesa Ziemer (Öffentlichkeit und Teilhabe), Harald Lemke (Nekrolog auf den Utopismus), Klas Rühling (lecture performance)  – Frau Kraushaar tritt auf – Keimzelle goes under, Erscheinen eines Minibaggers und Leichenschmaus bis zum Sonnenuntergang 19:29 Uhr

Warm anziehen – umsonst und draußen

Hashtags: #Utopie, #Kürbisform, #Ziemer, #Wenzel, #Kraushaar, #Keimzelle goes under, #Planungsgarten, #Rindermarkthalle, #Kunst, #Minibagger, #Ende

Sein oder Nicht-Sein? – Wolkenkuckucksheim!

Sein oder Nicht-Sein? – Wolkenkuckucksheim!

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Kooperative Tomatensuppe

Waschen Schneiden Kochen

Waschen Schneiden Kochen

Am Samstag den 23. August hat die Marktstraße rauf und runter Jubiläum gefeiert. 20 jähriges Ladenjubiläum beim Alpenglühen oder 11 Jahre seit dem Richtfest beim Markthof-Wohnprojekt oder 3 einhalb Jahr Keimzelle eben. Grund genug, was zu machen. Zum Beispiel eine Tomatensuppe zusammen mit dem Hof vorm Deich. Der Hof vorm Deich rettet Tomaten. Mit über 100 Sorten sind sie offenbar ganz erfolgreich dabei. Also haben wir rote und gelbe und gescheckte, dicke und dünne, kleine und große, weiche und feste, ovale, runde und knubbelige Tomaten geschnitten. Zwischendurch hat es mal wieder heftig gewittert und alles wurde nass. Die Suppe war super lecker!

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